Junge Arbeitskräfte aus Usbekistan: Qualifikationen, Potenziale und praktische Einblicke in das deutsche Ausbildungssystem
Usbekistan verfügt über eine junge, wachsende und zunehmend gut ausgebildete Bevölkerung. Gleichzeitig stehen viele junge Menschen trotz solider Schulbildung vor begrenzten Ausbildungs- und Beschäftigungsperspektiven im eigenen Land. Vor diesem Hintergrund gewinnen internationale Bildungs- und Ausbildungskooperationen zunehmend an Bedeutung. Deutschland zählt dabei zu den attraktivsten Zielländern – insbesondere im Bereich der dualen Berufsausbildung.
Demografische Ausgangslage in Usbekistan
Mit rund 38 Millionen Einwohnern ist Usbekistan das bevölkerungsreichste Land Zentralasiens. Ein erheblicher Teil der Bevölkerung ist unter 30 Jahre alt. Jährlich schließen etwa 700.000 junge Menschen die Schule ab. Trotz einer insgesamt positiven wirtschaftlichen Entwicklung kann der heimische Arbeitsmarkt diesen Andrang nicht vollständig aufnehmen. Ausbildungs- und qualifizierte Arbeitsplätze sind begrenzt, insbesondere im industriellen und technischen Bereich.
Um dem entgegenzuwirken, verfolgt Usbekistan seit mehreren Jahren Reformen im Bildungswesen. Seit 2022 wird das duale Ausbildungssystem nach deutschem Vorbild schrittweise landesweit eingeführt. Dennoch entscheiden sich viele junge Menschen für eine Ausbildung, ein Studium oder eine berufliche Qualifizierung im Ausland.
Fähigkeiten und Qualifikationen junger Usbekinnen und Usbeken
Junge Arbeitskräfte aus Usbekistan zeichnen sich häufig durch eine solide Allgemeinbildung, hohe Lernbereitschaft und praktische Orientierung aus. Besonders ausgeprägt sind Fähigkeiten und Interessen in:
- industriellen Metall- und Handwerksberufen
- Produktion und Fertigung
- Bauwesen und Technik
- Logistik und Transport
Zudem wächst die Bereitschaft, Fremdsprachen zu erlernen, insbesondere Deutsch und Englisch. Sprachförderung ist zunehmend Bestandteil schulischer und außerschulischer Bildungsprogramme.
Praxisbeispiel Herbstcampus in Sachsen
Ein konkretes Beispiel für die praktische Annäherung junger Menschen aus Usbekistan an das deutsche Ausbildungssystem ist der Herbstcampus in Sachsen. Zehn usbekische Schülerinnen und Schüler nutzten ihre Herbstferien, um sich vor Ort über das duale Ausbildungssystem und insbesondere über industrielle Metallberufe zu informieren.
Im Rahmen des vom Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA) beauftragten Pilotprojekts konnten die Jugendlichen zwischen 4. und 13. November Betriebe in Westsachsen kennenlernen und selbst praktisch tätig werden. Umgesetzt wurde das Projekt vom Bildungswerk der Sächsischen Wirtschaft (bsw) gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung Sachsen (WFS).
Die Jugendlichen im Alter von 16 bis 18 Jahren erhielten Einblicke in verschiedene Berufsbilder und probierten typische Tätigkeiten aus, darunter:
- Schweißen
- Arbeit an CNC-Maschinen
- Grundlagen der Robotik
Hilfreich war dabei, dass viele der Teilnehmenden bereits Deutsch lernen und sich gut verständigen konnten. Einige der Jugendlichen streben an, im kommenden Jahr eine Ausbildung in Sachsen zu beginnen.
Bedeutung für Sachsen und seine Wirtschaft
Sachsens Wirtschaft steht – wie viele Regionen in Deutschland – vor einem zunehmenden Fach- und Arbeitskräftemangel. In zahlreichen Branchen bleiben Ausbildungsplätze unbesetzt. Die alleinige Aktivierung inländischer Potenziale reicht vielfach nicht aus, um diese Lücken zu schließen.
Daher suchen sächsische Unternehmen zunehmend auch im Ausland nach geeignetem Nachwuchs. Gerade kleine und mittlere Unternehmen sind dabei jedoch auf Unterstützung angewiesen, etwa bei Rekrutierung, Vorbereitung und administrativen Prozessen.
Der Herbstcampus dient nicht nur der Berufsorientierung, sondern auch dem Aufbau langfristiger Kontakte. Nach ihrer Rückkehr nach Usbekistan wirken die Teilnehmenden als Multiplikatoren, berichten über ihre Erfahrungen und werben bei Informationsveranstaltungen für eine Ausbildung in Sachsen.
Politische Einordnung
Sachsens Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Dulig betonte in diesem Zusammenhang das gegenseitige Potenzial der Zusammenarbeit. Usbekistan biete viele motivierte junge Menschen, während sächsische Betriebe dringend Nachwuchs benötigen. Entscheidend sei eine langfristige, strukturierte Herangehensweise sowie transparente und effiziente Verwaltungsprozesse.
Der Herbstcampus ist ein Folgeprojekt einer Rekrutierungsreise nach Usbekistan im Mai 2024, die von der Wirtschaftsförderung Sachsen organisiert wurde. Ziel war es, Sachsen und seine Ausbildungsbetriebe bekannter zu machen und Interesse an einer dualen Ausbildung zu wecken.
Ausblick
Programme wie der Herbstcampus zeigen, wie internationale Bildungs- und Ausbildungskooperationen konkret gestaltet werden können. Für junge Menschen aus Usbekistan eröffnen sich neue Perspektiven, während Regionen wie Sachsen dem Arbeits- und Fachkräftemangel begegnen können.
Langfristig hängt der Erfolg solcher Initiativen von kontinuierlicher Betreuung, klaren rechtlichen Rahmenbedingungen und einer engen Zusammenarbeit zwischen Bildungseinrichtungen, Wirtschaft und Politik ab.
Quellen
- Wirtschaftsförderung Sachsen (WFS)
https://www.wfs.sachsen.de - Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA)
https://www.smwa.sachsen.de - Bildungswerk der Sächsischen Wirtschaft (bsw)
https://www.bsw-sachsen.de - Statistisches Amt der Republik Usbekistan
https://stat.uz - Internationale Organisation für Migration (IOM) – Zentralasien
https://www.iom.int
